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 Mikroagglutinationstest (MAT; syn: Mikroagglutinationsreaktion [MAR])

Der MAT ist die Standardmethode der serologischen Leptospiren-Diagnostik und darüber hinaus die Referenzmethode, an der andere serologische Methoden validiert werden. Der Test beruht auf der Bildung von mikroskopisch sichtbaren Agglutinaten, die durch die Reaktion von spezifischen Antikörpern mit den als Testantigen eingesetzten Leptospiren entstehen. Agglutiniert das zu untersuchende Serum in einer Verdünnung von 1:100 mehr als 50% der Leptospiren, so muss das Serum weiter ausverdünnt werden, um den Endtiter (Ergebniswert im Befund je Serovar) zu bestimmen. Das zu untersuchende Patientenserum sollte gegen alle epidemiologisch relevanten Serovaren (Serovarianten), zumindest jedoch gegen einen Vertreter aus jeder Serogruppe, getestet werden.
Aus der Tatsache heraus, dass das Patientenserum aus Praktikabilitätsgründen nicht gegen alle jemals identifizierte Serovaren (z.Zt. mehr als 200 verschiedene Serovaren) getestet werden kann, ergibt sich, dass die MAT allenfalls die Diagnose der Serogruppe erlaubt. Die als Testantigen eingesetzte Serovar, mit der das Serum den höchsten Titer erzielt, weist i.d.R. auf die Serogruppe der Serovar hin, die für die Infektion vermutlich verantwortlich ist. Antigengemeinschaften verschiedener Serovaren, insbesondere die einer Serogruppe, können dabei zu Kreuzreaktionen führen. Nach dem Handbuch des Office International des Epizooties (OIE Manual 2004) gilt ein Endtiter von 1:100 als signifikant. Dieser Titer wird auch von den meisten Laboratorien als Grenztiter verwendet.

Mykoplasmen-Infektion (Upper Respiratory Tract Disease [URTD])

Mykoplasmen sind zellwandlose Bakterien, die im Vergleich zu anderen Bakterien eine geringe Zell- und Genomgröße besitzen. Die Isolation des Erregers Mycoplasma agassizii erfolgte zunächst bei Wüstenschildkröten (Gopherus agassizii) in den USA. Inzwischen sind auch für diverse europäische Landschildkröten Mycoplasma agassizii - Infektionen nachgewiesen worden.
Bei der Schildkröte wird durch eine Infektion mit einem virulenten M. agassizii Stamm die sogenannte Upper Respiratory Tract Disease (URTD) hervorgerufen, eine Erkrankung, die sich klinisch durch serösen, mukösen oder purulenten Nasenausfluss sowie Augenausfluss, Bindehautentzündung und Lidödem äußert. Darüber hinaus wurden Lethargie, Dehydratation, Anorexie sowie Kachexie mit Todesfolge beschrieben.
Der Erreger wird horizontal mit dem Speichel oder Nasensekret übertragen, wobei die ersten klinischen Symptome nach experimenteller Infektion 4 Wochen später auftraten. Da auch nach Therapieversuchen mit speziellen Antibiotika wie Doxycyclin und Enrofloxacin Rezidive beobachtet wurden, wird auch bei diesem Erreger, wie bei den bereits erwähnten Herpesviren, der Prophylaxe eine besonders große Bedeutung beigemessen.
Eine besondere Gefahr für den Bestand stellen insbesondere Tiere in symptomfreien Phasen sowie klinisch inapparente Träger von Mykoplasmen dar. In diesem Zusammenhang werden bestimmte Schildkrötenarten wie beispielsweise die Vierzehenschildkröten (Agrionemys horsfieldii) als Mykoplasmen-Reservoire diskutiert.
Der direkte Mykoplasmen-Nachweis kann kulturell oder mittels PCR erfolgen.
Der kulturelle Nachweis kann bis zu 6 Wochen in Anspruch nehmen, wobei der Erfolg sehr von der Qualität des Untersuchungsmaterials abhängt.
Eine Alternative zur Kultur stellt die Polymerase Chain Reaction (PCR) dar. Mit dem Nachweis spezifischer Genomfragmente aus Rachentupfern (Trockentupfer) oder Nasenspülproben kann innerhalb von 24 Stunden eine sichere Diagnose gestellt werden.
Gleichzeitig sollte differentialdiagnostisch eine Herpesvirusinfektion ausgeschlossen werden.

Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis (Paratuberkulose, Johne´sche Krankheit)

Die Paratuberkulose (Johne´sche Krankheit) ist eine weltweit verbreitete, chronische und nicht therapierbare Darmerkrankung der Wiederkäuer, verursacht durch Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis. Sie hat eine große wirtschaftliche Bedeutung besonders in der Milchrinder- und Schafhaltung, nicht nur infolge der klinischen Erkrankung, sondern auch wegen vermehrter Mastitiden, reduzierter Milchleistung, langsamerer Lebendmassezunahmen und verstärkten Fruchtbarkeitsproblemen.
Die Paratuberkulose ist in ihrer klinischen Form charakterisiert durch intermittierende Durchfälle, die bei fortschreitender Erkrankung zu einem rapiden Gewichtsverlust führen. Die Ansteckung erfolgt in der Regel im Jungtieralter durch Aufnahme des Erregers mit dem Kolostrum, der Milch oder kontaminiertem Futter. Nach einer langen Inkubationszeit kommt es erst im Alter von 2 bis 5 Jahren zum Ausbruch der Erkrankung.
Die Diagnose der Paratuberkulose kann durch den Erregernachweis im Kot, den Darmlymphknoten oder der Milch erfolgen. Neben dem kulturellen Nachweis, der aufgrund des langsamen Erregerwachstums bis zu mehreren Monate dauern kann, ist der Nachweis von erregerspezifischer DNA mittels PCR möglich.
Serologisch kann der Nachweis spezifischer Antikörper im Blut- und Milchserum von Rindern oder Schaf und Ziege erfolgen. Als serologische Methoden eignen sich der ELISA (Rind, Schaf, Ziege) oder eine KBR (Schaf und Ziege Exportuntersuchung, andere Wiederkäuer). Bei Rindern ist im Rahmen der Herdenbetreuung auch die serologische Untersuchung von Sammelmilchproben möglich.
Der ELISA eignet sich besonders zur Einschätzung der Prävalenz in Problembetrieben und stellt hier das geeignete Diagnostikum zur Kontrolle und Überwachung des Paratuberkulosestatus dar.
Eine PCR zum Nachweis des Erregers in Milch bietet neue Möglichkeiten der Herdenüberwachung in Kombination mit dem ELISA.

Mycoplasma bovis (die Mykoplasmose des Rindes)

Mycoplasma bovis ist seit den 60er Jahren als Erreger von klinischen Mastitiden bekannt. In den folgenden Jahren hat sich gezeigt, dass Mycoplasma bovis weltweit vorkommt. Eine Infektion des Rindes mit Mycoplasma bovis verursacht Mastitiden, aber auch Pneumonien und Arthritiden bei Jungrindern und Kälbern, sowie Aborte.
Die Symptome einer Mycoplasma bovis-Mastitis sind abhängig vom Laktationsstadium der Kühe und nicht pathognomonisch. Der Verdacht einer Mykoplasmen-Mastitis im Bestand ist immer dann gegeben, wenn erkrankte Tiere zugleich Arthritiden zeigen und eine antibiotische Behandlung nicht oder nur schlecht anspricht oder wenn trotz klinischer Erkrankung die normale bakteriologische Untersuchung negativ bleibt. Der Erreger dringt über den Strichkanal ins Euter ein. Eine Übertragung kann schon direkt vom Muttertier auf das Kalb (intrauterin oder galaktogen) erfolgen. Die Infektion kann lange latent bleiben und dann in der nächsten Trächtigkeit wiederum auf den Fetus übertragen werden.
Der Nachweis einer vorliegenden Infektion mit Mycoplasma bovis kann durch Antikörpernachweis im Serum oder Milch mittels ELISA erfolgen. Neuerdings ist auch eine PCR zum direkten Nachweis des Erregers in Milch, Punktaten oder anderem Material möglich.

Mycoplasma hyopneumoniae (Enzootische Pneumonie der Schweine)

Mycoplasma (M.) hyopneumoniae ist der weltweit verbreitete Verursacher der Enzootischen Pneumonie (Ferkelgrippe, Ferkelhusten).
Die Erkrankung ist charakterisiert durch Entzündungen vorwiegend der Spitzen- und Herzlappen der Lungen, wobei selbst nur die Spitzen der genannten Lappen in Mitleidenschaft gezogen werden.  Pathologisch äußert sich diese Krankheit in Veränderungen von Farbe und Konsistenz des befallenen Lungengewebes. Die Entzündungsherde sind von härterer Konsistenz und dunklerer Farbe als das gesunde Lungengewebe. Oft sind auch Vernarbungen des Gewebes nachzuweisen.
Bei der Enzootischen Pneumonie ist zumeist ein großer Teil des gesamten Schweinebestandes betroffen, Einzeltiererkrankungen treten in der Regel nicht auf. Die Anzahl der erkrankten Tiere ist dabei von verschiedenen Faktoren, wie z.B. Konzentration der Krankheitserreger in der Umwelt, hygienischem Zustand der Ställe, Immunstatus der Schweine, Klima, Jahreszeit u.a., abhängig.
Symptome sind u.a. trockener Husten (meist 9-10 Tage post inf.), Niesen, seröser Nasenausfluss, Dyspnoe und Tachypnoe. Bei den häufig auftretenden bakteriellen Sekundärinfektionen können Fieber, feuchter Husten und Störungen des Allgemeinbefindens hinzukommen.
Eine kulturelle Erregeranzucht ist u.U. sehr schwierig und im negativen Fall nicht sehr aussagekräftig. Aus Lungenmaterial und Bronchialspülflüssigkeit kann jedoch per PCR die Erbsubstanz des Erregers nachgewiesen werden. An formalinfixierten Lungenproben mit Bronchusquerschnitten ist der immunhistochemische Nachweis von Mycoplasma hyopneumoniae-spezifischem Antigen und der Nachweis charakteristischer histomorphologischer Läsionen möglich.   
Die Wirkdauer von maternalen Antikörpern wird mit ca. 14 Tagen angegeben; IgG-Antikörper, die z.B. mittels ELISA nachgewiesen werden können, treten 14-21 Tage nach der Infektion auf.
Eine antibiotische Behandlung führt i.d.R. zur Verbesserung des klinischen Zustandes, eine Erregereliminierung wird jedoch meistens nicht erreicht.
Es stehen unterschiedliche Impfstoffe zur Verfügung, die im One-Shot- oder Two-Shot-Verfahren eingesetzt werden. Erfahrungen haben gezeigt, dass eine One-Shot-Impfung in Betrieben mit hohem Infektionsdruck, oder bei langen Mastperioden mitunter keinen ausreichenden Schutz gewährleisten könnte.

Mycoplasma hyorhinis

Mycoplasma hyorhinis
ist ein ubiquitärer Besiedler der Atemwegsschleimhäute beim Schwein. In den USA und Kanada ist Mycoplasma hyorhinis ein häufiger Erreger bei klinisch relevanten Polyserositiden. Typische Symptome sind Fieber, Lahmheit, Bewegungsstörungen, Gelenkschwellungen und Arthritis. In Europa nimmt die Nachweishäufigkeit zu, eine singuläre Beteiligung an einem Krankheitsgeschehen wird bislang noch selten beobachtet. Eine Polyserositis wird meist bei Tieren im Alter von 3 - 12 Wochen beobachtet; Krankheitserscheinungen treten erst 3-10 Tage nach der Infektion oder bei resistenzminderndem Stress auf. Polyarthritis wird vereinzelt bei Ferkeln im Alter von 4-12 Wochen, häufiger bei Schweinen im Alter von 4-6 Monaten beobachtet. Bei hochgradiger Mykoplasmen-bedingter Arthritis sind plötzliche Lahmheiten mehrerer Gliedmaßen und Kapselfibrosen u.a. Veränderungen an den Gelenkflächen typisch.
Aus Lungenmaterial und Bronchialspülflüssigkeit kann per PCR die Erbsubstanz des Erregers nachgewiesen werden, mittels ELISA können Antikörper aus Blutproben nachgewiesen werden.

Mycoplasma mycoides subsp. mycoides (Lungenseuche des Rindes)

Die Lungenseuche des Rindes ist eine hochansteckende, subakut bis chronisch verlaufende Infektionskrankheit. Es kommt zu einer schweren exsudativen Pleuropneumonie. Die Erkrankung kommt endemisch vor, sie verursacht in Afrika hohe Verluste. In den meisten europäischen Ländern ist sie seit Beginn des 20. Jahrhunderts getilgt, nur in einigen Gebieten Spaniens tritt sie noch auf. Die Lungenseuche ist eine ausgesprochene Kontakt- und Handelsseuche.
Nach einer langen Inkubationszeit von 2-6 Wochen, z.T. bis zu 6 Monaten kommt es zu Dys- und Polypnoe, Husten und Nasenausfluss, später auch zu hohem Fieber. Die Letalität beträgt bis zu 90 %. In jedem Stadium kann die Erkrankung auch zum Stillstand kommen, so dass sich chronische Formen entwickelt. Nicht selten sind auch subakute oder asymptomatische Infektionen. Der Erreger wird schon während der Inkubationszeit ausgeschieden.
In Deutschland ist der Nachweis von Mycoplasma mycoides var. mycoides anzeigepflichtig.
Der Nachweis von Antikörpern gegen Lungenseuche kann mittels Komplementbindungsreaktion (KBR) erfolgen, diese Untersuchung ist auch für den Internationalen Handel vorgeschrieben.

Mycoplasma suis (Eperythrozoonose)

Die sog. "Eperythrozoonose" stellt beim Schwein seit Mitte der 70er Jahre ein Bestandsproblem in Zucht und Mastbetrieben dar. In akuten Fällen kommt es zu hochfieberhaften Ikteroanämien mit Gelbsucht und Kurzatmigkeit, dabei sind die Ohrspitzen oft dunkelblau verfärbt und fallen später ab. Es gibt aber auch subakute, chronische und latente Fälle, die durch Leistungsabfall und verminderte Infektabwehr ein wirtschaftliches Problem darstellen. Todesfälle sind selten.
Die Verbreitung der Erkrankung erfolgt direkt über die Aufnahme von Blut (z.B. Kannibalismus) oder indirekt durch mechanische Übertragung von erregerhaltigem Blut (z.B. Kupieren, Kastrieren, Ektoparasiten). Da der Erreger sich lebenslang in den Erythrozyten infizierter Tiere aufhält, bietet sich zur Diagnose der Erregernachweis mittels PCR im Blut an, in der akuten Phase ist auch der mikroskopische Erregernachweise im Blutausstrich möglich.