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AASV 2009
40. Jahrestagung der American Association of Swine Veterinarians in Dallas, Texas, USA vom 7.-10. März 2009

„Aufgeschnappt“ von Dr. Katrin Strutzberg-Minder (KS) (download):

1. Diskutiertes Thema: „Test, Retest, Resample“

Dieses Motto wurde in vielen Vorträgen zitiert und es wurde deutlich, dass sowohl Labordiagnostiker als auch praktizierende Tierärzte aus den USA sich selbstverständlich dessen bewusst sind, dass Tests nicht perfekt sind und sein können, aber dennoch sinnvoll mit den verfügbaren Tests umgegangen werden kann.

Was bedeutet diese Vorgehensweise „Test, Retest, Resample“:

Gibt es unerwartete Testergebnisse (positiv statt negativ erwartet und umgekehrt), nicht plausible oder kritische (positive bei bis dato negativem Status) Ergebnisse, so sollte der Test erst einmal wiederholt werden (Retest), um das Ergebnis zu reproduzieren und damit zu bestätigen oder um festzustellen, ob es sich um einen Testfehler oder einen Durchführungsfehler handelt (auch der Mensch ist nicht perfekt!).

Bei Untersuchungen von Pool-Proben sind die Proben dazu einzeln zu untersuchen, um mögliche Verdünnungseffekte bei einer wahr positiven Probe bis unter die Nachweisgrenzen der Tests auszuschließen.

Wenn verfügbar, sollte die Probe zusätzlich mit einem anderen Test untersucht werden (Verify or Refute). Idealerweise sollte der zweite Test im Falle der PCR auf einem anderen genetischen Target oder im Falle der Serologie auf einem anderen Antigen basieren.

Aber Vorsicht! Diese Testergebnisse müssen sorgfältig abgewogen werden, da es schon aufgrund der Unterschiede bei den Tests (z.B. geringere Sensitivität des zweiten Tests im Vergleich zum ersten) zu Unterschieden kommen kann. Der zweite Test stellt somit nur eine „zweite Meinung“ dar! Dieser Ausdruck macht sehr deutlich, dass es sich bei den labordiagnostischen Untersuchungen um einen Entscheidungsfindungsprozess hinsichtlich der Labordiagnose handelt.

Sind die Ergebnisse beider Tests übereinstimmend, so steigt das Vertrauen (Confidence) in die Richtigkeit des Ergebnisses.

Sind die Testergebnisse uneinheitlich kontrovers, sollte erneut eine Probe desselben Tieres und/oder aus der Population

·       Kontakttiere (Neighbours)

·       Tiere mit hohem Risiko für den jeweiligen Erreger (High Risk Animals)

untersucht werden (Resample).

Kommentar KS: Nach diesem Motto arbeitet die IVD GmbH seit jeher. Diese Vorgehensweise ist für uns überhaupt nicht neu, sondern gehört im Interesse unserer Kunden und auch in unserem eigenen wissenschaftlichen Interesse zum normalen Tagesgeschäft. Ein entsprechend verantwortungsvoller Umgang mit der Diagnostik ist für den qualitativ hohen Anspruchs unseres Hauses eine Selbstverständlichkeit und bedarf nach unserem Verständnis eigentlich keiner besonderen Erwähnung, sondern sollte vielmehr überall Standard sein.

Allerdings ist die Selbstverständlichkeit mit der die nordamerikanischen Tierärzte damit umgehen ausgesprochen bemerkenswert und daher sind uns die „Amerikaner“ mit dieser Einstellung ein wenig voraus!

2. Diskutiertes Thema: „Managing Diseases“

Auch diese Formulierung wurde im Umgang mit diversen Schweinkrankheiten genutzt und es beschreibt die Art und Weise, wie man mit PRRS, PMWS, APP usw. umgeht. Hier wird eine Krankheit nicht bekämpft, sondern man „managt“ sie.

Kommentar KS: Bemerkenswert ist dabei der konsequente Umgang der „Amerikaner“ mit den Schweinekrankheiten und -infektionen nachdem das „Test, Retest, Resample“-Verfahren stattgefunden hat. Keiner beklagt sich unnötig lange vornehmlich über die Defizite in der Diagnostik, der Impfstoffentwicklung und den anderen Technologien (Mikrofilter für Lüftungsanlagen, Desinfektion von Stallungen und Transportfahrzeugen etc.), sondern man versucht die Infektionskrankheiten eben mit den Mitteln, die zur Verfügung stehen und jeweils erschwinglich sind, so gut wie möglich zu managen! Rasches und planvolles Handeln kann hier Zeit und damit Geld sparen. Verifiziert positiv getestete Tiere und Kontakttiere werden konsequent aus dem Bestand entfernt und es wird diszipliniert nachuntersucht, bis kein Tier mehr positiv ist. Und das alles z.B. mit dem HerdChek PRRS-ELISA von IDEXX. Das bedeutet, man nimmt auch den Verlust falsch positiv „deklarierter“ Tiere in Kauf und am Ende sind es doch weniger Kosten als wenn man einen PRRS-Einbruch zu beklagen hätte und das auch langfristig.

Es heißt anderseits aber nicht, dass man sich keine Verbesserungen in allen Disziplinen wünscht bzw. daran arbeitet und natürlich gibt es auch Rückschläge und Frustrationen und man fällt hin. Aber man lernt daraus, steht auf und macht mit einem Gewinn an Erfahrung und in der Regel dadurch ein Stückchen erfolgreicher weiter. Das ist „Managing of Diseases“! Diese Einstellung würde in Deutschland auch vieles leichter machen.

Weitere Informationen zu den einzelnen Sessions folgen!

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20. IPVS Kongress in Durban 2008

Lesen Sie hier eine Auswahl deutscher Beiträge auf dem 20. IPVS Kongress in Durban 2008 veröffentlich in einer Sonderausgabe von Vet-MedReport August 2008.

 

Gesundheitscheck für Tierärzte anläßlich der IPVS 2008 in Durban, Südafrika

Ursprünglich von Henning Bossow, Präsident der IPVS 2004 in Hamburg, initiiert, hat die IVD GmbH die erfolgreiche Idee eines „Gläsernen Labors“ auch in Durban wieder aufgegriffen.

Am Montag, den 23. Juni, zwischen 10 und 15 Uhr konnten sich maximal 150 Kongressteilnehmer am IVD-Stand von medizinischem Personal Blut abnehmen lassen. Die Proben wurden kostenfrei noch am selben Tag auf Antikörper gegen Zoonoseerreger wie

  • Brucellen
  • Influenza
  • Chlamydien


untersucht.

Die Ergebnisse wurden epidemiologisch ausgewertet und am letzten Kongresstag in einem kurzen Vortrag präsentiert.

Individuelle Untersuchungsergebnisse können den Teilnehmern auf Wunsch per email zur Verfügung gestellt werden.

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Neues vom 5th International Symposium on
Emerging and Re-Emerging Pig Diseases, Krakau 24. - 27.06.2007
 

Zusammenfassung von Dr. med. vet. Jan Böhmer (download):                                          

Die Themenschwerpunkte des Kongresses waren PCV-2, PRRS und Schweineinfluenza (SIV). Im folgenden sind auch für den Praktiker wesentliche Informationen der Veranstaltung stichwortartig zusammengefasst.

 PCV-2                                                                                                         

  • die verschiedenen klinischen Erscheinungsformen der Circovirose, wie PMWS, PDNS, PRDC usw. werden begrifflich als PCVAD (Porcine Circovirus Associated Diseases) zusammengefasst.
  • direkte und indirekte Kosten der Erkrankung werden für die EU mit ca. 600 Mio €/Jahr beziffert.
  • in Nordamerika gab bis vor zwei Jahren kaum Problem mit PCVAD, seitdem treten erhebliche Verluste in den Beständen auf. Zeitgleich wurden neue, von den europäischen abweichende, Genotypen gefunden. Eine einheitliche Nomenklatur für die verschiedenen Typen hat sich bis jetzt nicht durchgesetzt, man spricht beispielsweise von PCV-2a und -b.
  • prinzipiell können alle PCV-2-Isolate mit Krankheit assoziiert sein, eine sichere Zuordnung in pathogene oder nicht-pathogene Typen ist nicht möglich.
  • eine spezifische Zielzelle für das PCV-2-Virus ist weiterhin nicht bekannt, das Virus hat eine niedrige Replikationsrate und führt im Laufe der Infektion zu einer Lymphozytendepletion.
  • eine Übertragung findet durch Tier-zu-Tier-Kontakt statt, ist aber auch durch Sperma, transplazental und aerogen möglich.
  • die eigentliche Ursache der Erkrankung scheint eine „Zytokinvergiftung“ zu sein, d.h. eine überschießende Immunreaktion des Organismus, der den Erreger zu eliminieren versucht.
  • eine Impfung reduziert die Viruslast durch Induktion von Antikörpern und ist positiv korreliert mit einer Verbesserung der Bestandsgesundheit, die Tiere bleiben aber virämisch (keine sterile Immunität).
  • die Höhe des maternalen Antikörperspiegels hat Einfluß auf die Wirksamkeit des Impfstoffs, eine Ferkelimpfung ist aber trotz Interferenz mit maternalen Antikörpern wirksam.
  • Impfstoffe:

zugelassen in Deutschland ist zur Zeit nur CIRCOVAC® von Merial, (Sauenimpfung, Induktion maternaler Antikörper)

in der Erprobung befinden sich Ingelvac®CircoFLEX™, Ferkelimpfung, One-Shot, von Boehringer und ein Ferkelimpfstoff von Intervet, Two-Shot, eine Grundimmunisierung plus Auffrischung nach drei Wochen.

Alle drei Impfstoffe zeigen eine gute Verträglichkeit und Wirksamkeit, allerdings sind nach einer Feldstudie in Kanada die Ferkelimpfstoffe etwas überlegen, da hier die Probleme weit in die Mastphase hereinreichen, in der maternale Antikörper vermutlich weniger wirksam sind.

  • Impfung gegen PCV-2 kann Verluste durch PRRS deutlich vermindern (Entfernung eines „Bausteins“ im Infektionsgeschehen)
  • Diagnostik:

es gibt keine strikte Korrelation Viruslast - Krankheit (z.B. PMWS), daher ist eine Quantifizierung der PCV-2-Last mittels Real-Time-PCR nicht sinnvoll. Nicht erkrankte Tiere können genauso hohe Virusmengen besitzen wie klinisch erkrankte.

 

PRRS                                                                                  

  • der europäische Genotyp (EU) wird als Typ I, der nordamerikanische (US) als Typ II bezeichnet.
  • die genetische Diversität innerhalb des europäischen Typs ist größer als bei Typ II-PRRS-Viren.
  • innerhalb des europäischen Typs I existieren vier Subtypen: Subtyp 1 Verbreitungsgebiet Westeuropa, drei weitere Subtypen in Osteuropa (baltische Staaten, Weißrussland), es gibt eine scharfe phylogenetische Grenze in Ostpolen/ Weißrussland.
  • die Subtypen besitzen zum Teil erhebliche Abweichungen auch innerhalb sog. „konservierter“, also relativ konstanter Genomabschnitte wie dem ORF 7, das häufig in der PCR-Diagnostik verwendet wird. Bei Vordringen dieser Typen nach Westeuropa besteht die Gefahr, dass diese mit gängigen PCR-Verfahren  nicht erkannt werden.
  • PRRSV Typ I ist evtl. in 60er Jahren des 20. Jhdt. in der ehemaligen UdSSR entstanden, in dieser Zeit gab es intensive Kreuzungen zwischen asiatischen und westeuropäischen Schweinerassen und es wurden Staatsbetriebe in ähnlicher Größenordnung wie in Nordamerika aufgebaut. Da die genetische Vielfalt des Typs I in Osteuropa am größten ist, die phylogenetische Entwicklung hier also am längsten andauert, vermutet man hier auch den Ursprung dieses Typs. Ein Vordringen nach Westeuropa kam nach dem Mauerfall zustande (für die ehem. DDR ist die Anwesenheit von PRRS-Virus seit 1987 nachgewiesen, vorher kam es hier zu Einkreuzungen sowjetischer Rassen!), klinische Ausbrüche in Westdeutschland gibt es seit 1990.
  • Rezeptoren:

Sialoadhesin auf der Oberfläche von Makrophagen scheint ein Rezeptor für das PRRS-Virus zu sein, Cd163, ein Markermolekül reifer Gewebsmakrophagen, besitzt aber wohl mehr Bedeutung, da es unter Laborbedingungen auch Zellen für eine Infektion empfänglich machen kann, die natürlicherweise nicht durch das PRRS-Virus infiziert werden können.

  • Impfstoffmutanten:

am Beispiel eines in Deutschland aufgetretenen PRRSV-Isolats vom Typ II mit einer 96%igen Homologie zum gebräuchlichen US-Lebendimpfstoff wird von Ohlinger et al. die Auffassung vertreten, dass solche Isolate auf den Impfstoff zurückzuführen, aber auch spontan entstanden sein können. Ein Impfstoffursprung lässt sich ihrer Meinung nach nicht sicher belegen.

Greiser-Wilke et al. halten dagegen auch solche Isolate, die eine geringere als eine 99%ige Homologie zum Impfstoff besitzen, für Vakzine-Abkömmlinge.

  • es besteht keine strikte Korrelation zwischen dem Grad an genetischer Verwandtschaft zwischen Feld- und Impfvirus und Schutzwirkung des PRRS-Impfstoffs, d.h. auch genotypisch heterologe Impfstoffe können eine Verbesserung des klinischen Bildes bewirken.
  • am Beispiel eines kanadischen Betriebes wurde die Wirksamkeit von  Akklimatisationsprogrammen für naive Jungsauen mit stallspezifischen PRRSV-Isolaten vorgestellt. Nach einer Akklimatisationsphase von insgesamt 300 Tagen werden negative Ferkel von serologisch positiven Sauen produziert. Als besonders erfolgreich erwies sich dabei das Konzept der PCV-2-Impfung, gefolgt von einer Immunisierung mit stallspezifischen PRRSV-Stämmen. 
  • Impfstoffe:

die Firma Pfizer hat Versuche zur Verträglichkeit eines potentiellen PRRS-Impfstoffs auf der Basis einer Deletionsmutante dargestellt.

  • Diagnostik:

Zimmermann et al. beschreiben eine Methode zur PRRS-Statusüberwachung: Dabei werden Baumwollstricke in Buchten gehängt. Die Schweine kauen diese ihrem Spieltrieb folgend durch, anschließend wird der Speichel abgepresst und in ELISA und PCR untersucht.

 

SIV                                                                                                              

  • beim Schwein kommen die Typen H1N1, H3N2, H1N2 und H9N2 (Korea) vor.
  • aviäre Influenza-Stämme wie H7N7, H5N1 sind infektiös für Schweine, erzeugen aber niedrigere Titer als solche Influenza-Stämme mit optimaler Anpassung an den Wirt Schwein. Es findet nach der Infektion keine effiziente Ausbreitung vom oberen in den unteren Respirationstrakt statt und die Viren sind in der Schweinepopulation nicht ausbreitungsfähig, da geeignete Rezeptoren fehlen. Fraglich bleibt jedoch, ob eine Anpassung von z.B. H5N1 an das Schein und/oder den Menschen nicht im Laufe der Zeit möglich wird.
  • Wassergeflügel bildet das Reservoir für Influenza A, hier sind jedoch nur hoch pathogene Typen (z.B. HP H5N1) tatsächlich krankmachend, ansonsten verlaufen Infektionen häufig asymptomatisch.
  • die klassische Vorstellung des Schweins als „Mixing vessel“, in dem neue Influenza-Typen entstehen, beruht auf der Tatsache, dass Schweine Rezeptoren für aviäre und humane Viren besitzen. Allerdings ist ein genetisches „reassortment“ (Mischung genetischer Bestandteile unterschiedlicher und Entstehung neuer Typen) auch in Mensch und Geflügel möglich, da auch bei diesen unterschiedliche Rezeptortypen (Sialinsäure) vorhanden sind.
  • die optimale Anpassung an einen (neuen) Wirt ist ein bisher unvollständig verstandener Prozess. Es ist wahrscheinlich mehr notwendig als „reassortment“ und Rezeptorbindung.
  • eine Vakzine gerichtet gegen einen konservierten Bestandteil des Influenza-A-Virus (Matrixprotein M2) bietet nicht die erhoffte Kreuzprotektion gegen verschiedene Influenza-Typen, wie Versuche von Thacker et al. ergaben.
  • Impfstoffe:

das IDT hat eine neue SIV-Vakzine gegen zur Zeit in der Schweinepopulation relevante Typen (H1N1, H3N2, H1N2) entwickelt, die Zulassung ist für 2008 geplant. Da festgestellt worden ist, dass Öladjuvanz in Influenza-Vakzinen Fieber induzieren kann, wurde auf ein Carbomer-Adjuvanz umgestellt.

  • Diagnostik:

bei Erstkontakt findet sich häufig keine serologische Reaktion im HAH.

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