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Chlamydieninfektionen der Haussäugetiere und Reptilien
Die Familie der Chlamydiaceae, unterteilt in die Gattungen Chlamydophila und Chlamydia, gehört zu den obligat intrazellulären Erregern. Die Chlamydiaceae verursachen beim Mensch wie auch beim Tier insbesondere Erkrankungen des Respirations- und des Genitaltraktes. Sie kommen außerhalb ihrer Wirtszellen in Form von Elementarkörperchen vor. In dieser Form können die Chlamydien die Wirtszellen infizieren. Dort wandeln sie sich in Retikularkörperchen um und vermehren sich. Häufig verlaufen die Infektionen mit Chlamydien bei den Haus- und Heimtieren klinisch inapparent. Die Infektionen können latent verlaufen, dabei sind keine vermehrungsfähigen Erreger nachweisbar, und die humorale Immunantwort ist nur schwach ausgeprägt.
Chlamydien-Infektion des Schweines (Chlamydia psittaci, Chlamydia abortus, Chlamydia pecorum)
Chlamydien werden beim Schwein im Zusammenhang mit Pneumonien, aber auch Polyserositis, Konjunktivitis, Spätabort und Orchitis beobachtet. 4-8 Tage nach einer aerogenen oder oralen Infektion entsteht eine interstitielle Pneumonie, die der Mykoplasmen-Pneumonie gleicht. Aufgrund der langwierigen Isolierung in Zellkultur bietet sich der serologische Nachweis von Antikörpern in der KBR an. Ein positiver Titer bestätigt hier den Chlamydienverdacht. Ein direkter Erregernachweis ist auch mittels PCR in Cervixtupfern oder aus Harn möglich.
Chlamydien-Infektion der Wiederkäuer (Chlamydophila spec.)
Infektionen mit Chlamydia spec. sind Mitverursacher der Enzootischen Bronchopneumonie des Rindes. Diese hochkontagiöse Infektionskrankheit befällt besonders Jungtiere. Sporadisch kann der Chlamydienabort auch beim Rind vorkommen, allerdings kommt er beim Rind anders als beim kleinen Wiederkäuer, zumeist als Einzeltiererkrankung vor. Der Chlamydienabort der Schafe und Ziegen wird verursacht durch verschiedene Chlamydophila spec. (Chlamydia psittaci, Chlamydia abortus, Chlamydia pecorum) und ist gekennzeichnet durch ein gehäuftes Verlammen in der 2. Trächtigkeitshälfte. Die Krankheit ist weltweit verbreitet. Nach oraler Aufnahme des Erregers mit Futter, Trinkwasser oder Milch verläuft die Infektion zunächst latent. Erst in der nächsten Trächtigkeit kommt es zum Verlammen, oft mit Nachgeburtsverhaltung. Die Verlammrate der Herde kann bei einer Erstinfektion auf 30-80 % steigen. In chronisch infizierten Herden liegt sie bei 3-5 %. Differentialdiagnostisch ist eine Infektion mit Coxiella burnetii auszuschließen. Auch beim Mensch verursacht Chlamydia psittaci als Zoonoseerreger grippeartige Symptome und Pneumonien. Eine Infektion von schwangeren Frauen kann auch zum Abort führen. Der Chlamydienabort beim Schaf verursacht durch Chlamydia psittaci ist in Deutschland eine meldepflichtige Tierseuche! Der Nachweis von Antikörpern gegen Chlamydien kann mittels Komplementbindungsreaktion (KBR) erfolgen. Der direkte Nachweis von erregerspezifischer DNA ist mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) in Abortmaterial, aus Cervixtupfern oder Harn möglich.
Chlamydien-Infektion des Pferdes
Beim Pferd sind Chlamydien insbesondere Chlamydia abortus in Verbindung mit Pneumonien, Rhinitiden, Keratokonjunktividen, Polyarthritiden, Enzephalohepatitiden und Aborten nachgewiesen worden. Aber auch bei klinisch gesunden Pferden sind wiederholt Chlamydien feststellbar. Inwieweit Chlamydien als Aborterreger beim Pferd von Bedeutung sind, ist noch wenig bekannt. Der Erreger kann oral, aerogen, über Schleimhäute, Wunden oder über den Deckakt übertragen werden. Die Aussscheidung des Erregers findet über Nasen- und Bronchialsekret statt, wie auch über Gebärmutterabgänge, Sperma und Urin. Chlamydien können diagnostisch direkt mit Hilfe der PCR aus Tupfer- oder Organmaterial nachgewiesen werden oder serologisch mittels der KBR.
Chlamydien-Infektion der Schlangen, Schildkröten und Echsen
Chlamydien sind obligate intrazelluläre Bakterien, die einen biphasischen Lebenszyklus, der einen Wechsel zwischen intra- und extrazellulärer Phase einschließt, besitzen. Eine der vier Familien der Ordnung Chlamydiales ist die Familie Chlamydiaceae. Diese beinhaltet zwei Genera, Chlamydia (C.) und Chlamydophila (Cp.), in der sich die bisher bei Reptilien nachgewiesenen Chlamydien wiederfinden. Chlamydien-Infektion wurden für verschiedene Echsen, Schlangen und Schildkröten beschrieben und mit dem Auftreten von Krankheitssymptomen (Myokarditis, Hepatitis, Pneumonie, Splenitis und Enteritis) in Verbindung gebracht. Andererseits werden Chlamydien auch als mögliche Kommensalen diskutiert und die Möglichkeit, dass Reptilien als natürliches Chlamydiales Reservoir fungieren, muss in Betracht gezogen werden. In diesem Zusammenhang ist eine Übertragung auf den Menschen Gegenstand weiterer Forschungen. Die besonderen Eigenschaften der Chlamydien erschweren eine Anzucht, so dass für die Routinediagnostik der Einsatz der PCR die Methode der Wahl darstellt. Als Untersuchungsmaterial eignen sich Nasenspülproben und Rachentupfer.
Chlamydieninfektionen bei Hund und Katze
Klinische Manifestationen in Form von Konjunktivitiden oder Pneumonien sind im Gegensatz zum Hund bei der Katze häufiger. In vielen Fällen ist Chlamydophila felis oder auch Chlamydophila psittaci am Katzenschnupfenkomplex mitbeteiligt und verursacht zum Teil schwere eitrige, follikuläre Konjunktivitiden. Die selten bei der Katze vorkommende Chlamydia trachomatis ist jedoch durch Kontakt auf den Menschen übertragbar und kann infolge von Schmierinfektionen beim Tierbesitzer ein ähnliches Krankheitsbild verursachen. Die durch feline Chlamydien verursachte Konjunktivitis des Menschen verläuft als follikuläre Keratokonjunktivitis.
Nachweisverfahren für alle Tierarten
Der diagnostische Nachweis kann serologisch erfolgen, dabei wird jedoch eine gepaarte Serumprobe im 3-wöchigen Abstand empfohlen, um anhand eines Titeranstieges Rückschlüsse auf eine akute Chlamydien bedingte Infektion schließen zu können.
Für den direkten Erregernachweis ist aufgrund des obligat intrazellulären Vorkommens des Erregers bei der Probenentnahme darauf zu achten, zellhaltiges Material aus den erkrankten Lokalisationen zu entnehmen.
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